Wie würdest du 10.000€ investieren?

Der Teufel klopfte an meiner Tür. Sein Kopf ist rot wie eine zerquetschte Tomate. Er ist ordentlich gekleidet. Seine Schuhe hat er sicher von Prada. In der rechten Hand hält er seinen Dreizack. In der linken seinen Koffer. Ein echter Geschäftsmann!

Ich machte zögerlich auf.

Er sagte: „Keine Angst. Ich habe ein Angebot für dich.“

„Ja?“, antwortete ich mit zitternder Stimme.

„Ich gebe dir 10.000€. Diese 10.000€ investierst du für mich für das nächste Jahr. Machst du einen Gewinn, lass ich dich in Ruhe. Machst du aber einen Verlust, werde ich deine Seele holen.“

„Kein Problem“, dachte ich mir.

„Es gibt aber einen Haken. Du darfst die 10.000€ nur in ein einziges Investment investieren. In ein All-in-Investment sozusagen.“

„Ich nehme die Herausforderung an!“

Nik hat mich zu seiner Blogparade Finanzblog Fonds: Wie würdest du 10.000€ für ein Jahr investieren? eingeladen.

In dieser Blogparade gibt jeder Teilnehmer einen Vorschlag für ein All-in-Investment ab. Alles wird auf eine Karte gesetzt.

Außerdem wird ein Demokonto erstellt, das alle Investments in prozentuell gleicher Höhe enthält.

Da nehme ich doch gerne teil. Danke für die Einladung!

Wie würde ich 10.000€ investieren?

Seitdem ich das Buch Souverän Investieren mit Indexfonds und ETFs gelesen habe, bin ich ein Fan der breiten Diversifikation geworden. Warum erfährst du hier.

In diesem Teufelsspiel ist das aber nicht möglich. Es sind nur All-in-Investments erlaubt. Also habe ich lange Hin- und Her überlegt: Wie kann ich mit einem ETF eine hohe Diversifikation erreichen? Und eine hohe Rendite einstreichen?

Mit einem MSCI World würde ich zwar eine hohe Diversifikation erreichen. Aber könnte ich mit den Renditen der Anderen mithalten?

Also habe ich mich für einen MSCI Emerging Markets entschieden. Dieser ETF investiert in 838 Aktien aus 23 Ländern. Eine Hammer Diversifikation für ein Einzelinvestment!

Warum investiere ich nicht in den MSCI World?

Der MSCI World beinhaltet 1.612 Aktien aus 23 Ländern. Die Diversifikation ist also wesentlich breiter. Wieso habe ich nicht diesen ETF gewählt?

Ganz einfach: Die Aktien der Schwellenländer werfen eine höhere Rendite ab. Sie sind dafür volatiler. Woher kommt diese Rendite?

Viele glauben noch immer, dass die Rendite durch das höhere Wachstum der Schwellenländer entsteht. Aber das ist Unsinn. Rendite kommt nicht von Wachstum.

Rendite kommt von Risiko.

Und die Aktien von Schwellenländer sind risikoreicher als Aktien der Industrieländer. Und deshalb sind sie auch rentabler.

Warum investiere ich nicht in einen aktiven Fonds?

Ein aktiver Fonds könnte die Diversifikation noch verbessern. Und alle 3 Risiken minimieren:

  • Das Unternehmensrisiko
  • Das Marktsegmentrisiko
  • Das Gesamtrisiko des Aktienmarktes

Das Unternehmensrisiko kann der Fonds ganz einfach minimieren: durch das Investieren in verschiedene Unternehmen. Auch der MSCI Emerging Markets minimiert dieses Risiko. Er investiert in 838 Aktien.

Der MSCI Emerging Markets investiert nur in ein Marksegment: in Schwellenländeraktien. Der Fonds hat aber die Möglichkeit, in verschiedene Marktsegmente zu investieren.

Das Gesamtrisiko des Aktienmarktes minimiert der MSCI Emerging Markets auch nicht. Er investiert nur in Aktien. Der aktive Fonds hat aber die Möglichkeit, Rohstoffe und Anleihen beizumischen.

Warum investiere ich trotzdem nicht in einen aktiven Fonds?

Wegen den hohen Kosten.

Die Kosten eines ETFs bewegen sich zwischen 0,1 und 0,5%. Ein Fonds hat oft 5% Ausgabeaufschlag.

Und die Kosten haben einen erheblichen Einfluss auf die Rendite.

Wir vergleichen zwei verschiedene Fonds. Wir nehmen an, dass beide ein Bruttorendite von 10% p.a. erwirtschaften.

Der einzige Unterschied der beiden Fonds sind die Kosten. Der Fonds A ist ein aktiver Fonds. Und verursacht laufende Kosten von 3%. Und der Fonds P ist ein passiver Fonds. Und verursacht laufende Kosten von 0,3%.

Wir investieren 10.000€

Nach 10 Jahren hat der Fonds A einen Vermögensendwert von 19.700€. Der Fonds P von 25.200€. Das ist ein Unterschied von 28%.

Nach 20 Jahren ist der Fonds A 38.700€ wert. Und der Fonds P 63.700€. Der Unterschied beträgt 65%.

Nach 30 Jahren steigt der Fonds A auf 76.100€. Und der Fonds P auf 160.800€. Hier beträgt der Unterschied 111%.

Und kein aktiver Fonds outperformt einen ETF um 111%. Die meisten aktiven Fonds outperformen den Markt gar nicht.

Was zeigt uns das?

Es lohnt sich nicht, in einen aktiven Fonds zu investieren. Außer du möchtest Bankberater und Vermögensberater reich machen.

Warum investiere ich nicht in eine einzige Schwellenländeraktie?

Durch das Investieren in eine einzige Schwellenländeraktie wäre natürlich das Risiko noch höher. Und dadurch vielleicht auch die Rendite.

Jedoch ist das Ausfallrisiko zu hoch. Das Unternehmen könnte genauso gut bankrott gehen. Dann wären die 10.000€ weg. Und der Teufel würde sich meine Seele holen.

Das möchte ich durch die Streuung vermeiden. Je riskanter das Investment, desto wichtiger ist die Diversifikation.

Angel Investoren von Start-Ups investieren auch nicht in ein einziges Start-Up. Sie rechnen damit, dass 2 von 10 Start-Ups pleite gehen. 2 durch die Decke gehen. Und sich die restlichen 6 gemäßigt entwickeln.

Und so soll es auch bei Schwellenländeraktien sein. Das Risiko ist zwar geringer als bei Start-Ups. Aber noch immer höher als bei Blue Chips.

Warum investiere ich nicht in eine Blue Chip Aktie?

Eine Blue Chip Aktie hat weniger Risiko als eine Schwellenländeraktie. Das ist Fakt!

Also könnte ich einfach sagen: „Ich investiere in Apple und gut ist.“

Apple ist momentan sehr billig. Und Apple ist auch ein gutes Unternehmen. Das möchte ich nicht abstreiten.

Warum investiere ich aber trotzdem in den MSCI Emerging Market?

Dafür gibt es 7 gute Gründe:

  1. Auch ein Blue Chip Unternehmen kann bankrott gehen.
  2. Blue Chips bringen eine geringere Rendite als Emerging Markets.
  3. Das Risiko der einzelnen Unternehmen wird minimiert. Es werden nicht alle 838 Unternehmen in Schwierigkeiten geraten.
  4. Das Länderrisiko wird minimiert. Ich investiere in 23 Länder. Und nicht nur in ein einziges.
  5. Ich spare mir Zeit. Ich muss keine Unternehmen analysieren.
  6. Die besten Unternehmen sind oft nicht die rentabelsten.
  7. Alles auf eine Karte zu setzten ist sehr gefährlich. Mit dem ETF streue ich das Risiko.

Fazit

Ich empfehle niemanden nur in einen ETF zu investieren. Durch die Streuung auf mehrere ETFs erreichst du eine viel höhere Diversifikation. Und kannst dein Risiko minimieren.

Durch einen ETF minimierst du nicht alle 3 Risiken:

  • Das Unternehmensrisiko
  • Das Marktsegmentrisiko
  • Das Gesamtrisiko des Aktienmarktes

Das Unternehmensrisiko kannst du bereits durch einen einzigen ETF minimieren. In diesem Fall investiere ich in 838 Aktien. Hier spielt der Ausfall einer Aktie keine Rolle mehr.

Das Marktsegmentrisiko minimiere ich aber dadurch nicht. Ich investiere in verschiedene Länder – in 23. Aber in verschiedene Marktsegmente investiere ich nicht: Nur in Schwellenländer.

Du kannst dieses Risiko aber leicht minimieren. Indem du in verschiedene ETFs investierst.

Auch das Gesamtrisiko des Aktienmarktes minimiere ich nicht. Das kannst du aber durch das Investieren in verschiedene Asset-Klassen lösen. Du könntest zusätzlich in Rohstoff ETCs investieren. Oder in P2P-Privatkredite. Oder in Immobilien. Dafür gibt es endlos viele Möglichkeiten.

Dennoch habe ich das All-in-Investment gut gelöst. Ich habe eine hohe Diversifikation mit einem Investment erreicht – bei einer hohen Renditechance.

Ob mich der Teufel holen wird, werden wir sehen.

Wie würdest du 10.000€ investieren?

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Über den Autor:

philipp

Philipp Amadeus Kammerer ist der Gründer von Investment Amad€. Auf seinem Investment Blog zeigt er dir mehr über verschiedene Investment Strategien.

Folge ihm auf Twitter und Facebook!

Veröffentlicht von

Philipp Kammerer

Philipp Kammerer ist Life Hacker, Blogger und Autor. Er ist auf der Mission, anderen Menschen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu helfen.

19 Gedanken zu „Wie würdest du 10.000€ investieren?“

      1. Hi Philipp,
        ja das ist mir bewusst und durch ein ETF ist es auch recht gut Diversifiziert und bei der aktuellen Börsenlage sind auch gute Gewinnsprünge drin, aber für die eigene Seele mir zu riskant. Gänge es nur um Geld wäre es mir egal.

        Gruß Philipp

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  1. Hallo Philipp,

    ein sehr interessanter Beitrag – vor allem die Einleitung fand ich amüsant. 🙂

    Du hast das Problem mit dem „All In“ wirklich schlau mit einem ETF gelöst, und auch noch mit einem der bisschen spekulativeren Sorte.

    Bin schon gespannt, wie sich der ETF entwickeln wird, langfristig wäre das auf jeden Fall eine tolle Strategie. Aber bei der Blogparade gehts ja auch etwas um den Funfaktor.

    Danke für Deine Teilnahme!
    Liebe Grüße
    Nik

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  2. „Diese 10.000€ investierst du für mich für das nächste Jahr. Machst du einen Gewinn, lass ich dich in Ruhe. Machst du aber einen Verlust, werde ich deine Seele holen.“

    Also entweder ich kapier’s nicht oder die Problemlösung ist viel zu einfach: Alles auf ein Tagesgeldkonto einer deutschen Bank mit Einlagensicherung und gut ist. Der Wert ist nach einem Jahr höher als zuvor und die Seele gerettet. Was schert mich ein Gewinn von 2% oder 20%? Der Teufel kriegt mit (fast) 100%iger Sicherheit mehr zurück als im Jahr zuvor, während ein MSCI EM auf Jahresbilanz gesehen sowohl Gewinn- als auch Verlustjahre hatte.

    Warum also etwas riskieren? Na, ja, vermutlich ist das der jugendliche Spieltrieb… ;-)!

    Gruß
    Dummerchen

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    1. Hallo Dummerchen!

      Du hast natürlich Recht. Wenn es darum geht, keine Verluste zu machen, wäre das die beste Alternative.

      Aber diese Blogparade ist eher als eine „Spaß-Blogparade“ zu verstehen. Und natürlich versuche ich besser als die anderen Teilnehmer abzuschneiden.

      MFG Philipp

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