18 verhängnisvolle Anlegerfehler und wie du sie vermeidest

Privatanleger machen Fehler.

Die meisten dieser Fehler kannst du einfach vermeiden.

Wenn du sie vermeidest, gehörst du aber sicher zu den Top 20% der Privatanleger.

Gerd Kommer schrieb in seinem Buch von den 18 verhängnisvollen Anlegerfehler.

Und genau um diese Fehler geht es in diesem Artikel.

  1. Sich an historischen Renditen von Fonds orientieren

Fonds, die in der Vergangenheit gut abschnitten, bekommen mehr Aufmerksamkeit. Und daher fließen auch mehr Investoren-Gelder in diese Fonds.

Nur weil ein Fonds in der Vergangenheit gut abschnitt, heißt aber nicht, dass er das auch in der Zukunft macht.

Ganz im Gegenteil: Oft sind es genau die Fonds, die zukünftig schlecht abschneiden. Und die schlechten Fonds schneiden in der Zukunft gut ab.

Mit was hängt das zusammen?

Durch die gute Performance bekommt der Fonds viel Aufmerksamkeit in den Medien. Dadurch steigt das Fondsvolumen.

Durch das hohe Fondsvolumen müssen sie die Aktien in höheren Stückzahlen kaufen. Diese Stückzahl ist aber pro Tag begrenzt. Vor allem die kleinen Unternehmen bekommen sie nicht mehr in der Stückzahl, die sie möchten.

Also müssen sie die Transaktionen aufteilen. Und zahlen höhere Transaktionskosten. Und schneiden im folgenden Jahr schlechter ab.

2. Nebenkosten des Investierens unterschätzen

Viele Privatanleger glauben, dass die Nebenkosten „nicht so wichtig sind“.

Dass sie aber wichtig sind, kannst du rechnerisch ganz leicht nachvollziehen.

Wir vergleichen die beiden Fonds Aktiv und Passiv. Der Fonds Aktiv verursacht laufende Kosten von 3%. Und der Fonds Passiv von 0,3%.

Angenommen du investierst 10.000€. Wir nehmen für beide Fonds eine Rendite von 10% an. Wie würden sich die Fonds entwickeln?

Nach 10 Jahren hat der Fonds Aktiv einen Vermögensendwert von 19.700€. Und der Fonds Passiv von 25.200€. Das ist ein Unterschied von 28%.

Nach 20 Jahren schafft es der Fonds Aktiv auf 38.700€. Und der Fonds Aktiv auf 63.700€. Der Unterschied beträgt 65%.

Nach 30% ist der Fonds Aktiv 76.100€ wert. Und der Fonds Passiv 160.800€. Der ist ein Wertunterschied von 111%!

Sage nicht mehr, dass die Nebenkosten „nicht so wichtig sind“. Sie machen einen Vermögensunterschied von 111% in 30 Jahren aus.

3. An Kursprognosen der „Experten“ glauben

Ein selbsternannter „Finanzexperte“ ist nicht mehr als ein unseriöser Wahrsager. Wer von sich behauptet, in die Zukunft sehen zu können, lügt.

Leider sehen das viele Privatanleger anders. Sehnsüchtig warten sie auf die Kursprognosen der Glaskugelpropheten.

In Wahrheit treffen diese Propheten aber nur zufällig eine Prognose richtig. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Zufall richtig ist, entspricht tatsächlich dem Zufall. Das belegen Studien. Die Arbeit könnte also auch ein Affe machen.

Kein Wahrsager sagt aber die Kurse nachhaltig voraus. Nur vereinzelt und zufällig.

4. Aktive Anlagestrategien praktizieren

Die Mehrzahl der Fondsmanager schlagen den Markt nicht. Und Privatanleger erst recht nicht.

Denn Fondsmanager beschäftigen sich rund um die Uhr mit ihrem Portfolio. Die Zeit haben wir nicht.

Außerdem haben die meisten Fondsmanager ein Team. Sie treffen die Anlegeentscheidungen nicht alleine. Das Team haben wir auch nicht.

Für die meisten Privatanleger ist nur das passive Investieren sinnvoll. Warum erfährst du hier.

5. Annehmen, den Markt schlagen zu wollen, koste nichts

Aktive Investment-Strategien verursachen mehr Kosten als eine passive.

Durch Market Timing und Stock Picking zahlst du laufend Transaktionskosten. Und ein aktiver Fonds verlangt 5% oder mehr Ausgabeaufschlag.

Dass sich die Nebenkosten auf deine Rendite auswirken, habe ich dir bereits gezeigt.

6. Glauben, „Experten“ könnten den besten Einstiegszeitpunkt finden

Die „Experten“ können die Kurse nicht vorhersehen. Darauf haben wir uns bereits geeinigt. Das kann niemand.

Genauso wenig können sie den perfekten Einstiegspunkt vorhersehen. Und das kannst du auch nicht.

Market Timing funktioniert nicht – außer mit einer Glaskugel.

Mehr über den perfekten Einstiegszeitpunkt findest du hier und hier.

7. Ein gutes Unternehmen für eine gute Aktie halten

„Gute Unternehmen sind im Allgemeinen schlechte Aktien und schlechte Unternehmen im Allgemeinen gute Aktien.“ – William Bernstein

Die Glitzeraktien sind zwar sehr beliebt. Aber eine gute Geldanlage sind sie nicht. Sie sind schlicht und einfach überbewertet.

Zwei Beispiele dafür sind Amazon und Netflix. Das sind zwar sicher gute Unternehmen – mit guten Geschäftsideen. Aber sie sind mit einem KGV von über 100 überteuert.

8. Sich an Fonds-Ratings orientieren

Fondsratings sind nichts anderes als Fondsbewertungstabellen. Die Stiftung Warentest veröffentlicht solche Tabellen in ihrer Zeitschrift „Finanztest“.

Die Fondsratings haben aber wie die Experten auch keine Glaskugel.

Ihr Nutzen zur Auswahl von Fonds liegen nur unwesentlich außerhalb des Zufalls. Und sie sind somit nutzlos.

9. Von Fondsmanagern einen Mehrwert erwarten

Fondsmanager verdienen ihr Geld nicht durch eine gute Performance – sondern durch ein hohes Anlagevolumen.

In seinen Star zu investieren, ist für viele Privatanleger verlockend. Aber es bringt dir nichts.

10. Annehmen, Risikoabsicherung sei umsonst zu bekommen

Rendite kommt von Risiko.

Ein geringeres Risiko bedeutet also eine geringere Rendite.

Immer öfter versprechen Bank- und Vermögensberater eine hohe Rendite zu erzielen – und das bei einem geringen Risiko. Sie lügen.

Rendite und Risiko sind unmöglich voneinander trennbar. Wenn du in risikoarme Investments investierst. Und dich so absicherst. Erzielst du auch eine geringere Rendite.

11. Mit einzelnen Branchen, den Markt outperformen wollen

In letzter Zeit kommen immer mehr zweckentfremdete ETFs auf den Markt. Bei diesen ETFs geht es nicht um das passive Investieren. – Sie wollen den Markt schlagen.

Unter diesen zweckentfremdeten ETFs findest du auch Branchen-ETFs.

Einzelne Branchen outperformen den Markt zwar in einem gewissen Zeitraum. Aber nicht langfristig. Nimm den Technologiemarkt als Beispiel! Stichwort: Dotcom-Blase 😉

12. Sich auf Renditeangaben der Finanzindustrie verlassen

Die Finanzindustrie versucht mit allen Mitteln, die Privatanleger abzuzocken. Dazu verwenden sie diese Tricks:

  • Präsentationstricks

Ein oft angewandter Präsentationstrick ist das Setzen einer falschen Benchmark. Diesen Trick wendet sogar Warren Buffett an.

Er wählt den S&P 500 als Vergleichsindex. Eigentlich müsste er aber einen Value Index nehmen. Einen solchen Index performt er tatsächlich nur um ca. 1% out.

  • Mathematische Tricks

Die Rendite ist keine objektive Messgröße. Es gibt viele Berechnungsmethoden dafür.

Je nach Situation können sich die verschiedenen Renditemessungen stark unterscheiden. Die Finanzindustrie nimmt immer das höchste Ergebnis. Und vergleicht sogar verschiedene Berechnungsmethoden miteinander.

13. Der Geldillusion aufsitzen

Viele Privatanleger konzentrieren sich auf die nominalen Renditen. Also ohne Berücksichtigung der Inflation.

Diese Renditen berücksichtigen aber nicht die tatsächliche Kaufkraft unseres Geldes.

1€ ist in 10 Jahren weniger wert als heute. Auf deinem Konto bekommst du Zinsen. Du machst aber trotzdem einen Verlust. Denn die reale Rendite ist negativ.

Das musst du berücksichtigen!

14. Auf die Beratung durch Banken und Vermögensberater vertrauen

Im Internet kursieren viele Geschichten herum, in denen Privatanleger von Vermögensberatern abgezockt wurden.

Woran liegt das?

Vermögensberater sind keine Berater, sondern Verkäufer. Sie bekommen kein Geld dafür, dich zu beraten. Sie bekommen Geld für den Verkauf von Produkten.

Und diese Produkte sind überteuerte Fonds. Und Versicherungen, die niemand braucht.

15. In einzelne Aktien investieren

Nur die wenigsten schaffen es, den Markt langfristig zu schlagen. Vor allem beim Vergleich mit der richtigen Benchmark.

Warren Buffett schlägt einen Value Index langfristig um 1% p.a.

Den Markt schlagen zu wollen, führt also zu nichts. Wozu investierst du dann noch in Einzelaktien?

Auch Christoph investierte früher in Einzelaktien. Seine Erfahrung damit erfährst du hier.

16. Auf „Private Banking“ vertrauen

Private Banking ist der Luxus unter den Banken. Du kannst dort dein Geld erst ab einem Vermögen von ein paar Millionen Euro anlegen.

Und diesen Luxus zahlst du!

Die Banken leben von ihren Kunden. Die Kunden zahlen alles.

17. In aktiv gemanagte Rentenfonds investieren

„Der Sinn von aktiv gemanagten Rentenfonds ist mir schleierhaft.“ – Peter Lynch

Rentenfonds sind Fonds, die in Staatsanleihen investieren. Knapp 40% des Anlagevolumens der Deutschen ist in aktiven Rentenfonds.

Eine mittelfristige Staatsanleihe weist langfristig eine reale Rendite von ca. 2,3% auf. Und ein Rentenfonds erzielt die Hälfte!

18. In Hedge-Fonds investieren

Hedge-Fonds sind nicht nur in der Lage, in Aktien und Anleihen zu investieren. Sondern auch in illiquiden Investments wie Kunst.

Außerdem dürfen sie Leerverkäufe tätigen. Das Risiko ist also viel höher. Denn das Fallen einer Aktie ist beschränkt,  das Steigen aber nicht. Ein Lehrverkauf dreht das Ganze um.

Die Gebühren von Hedge-Fonds sind noch höher als von normalen Fonds. Also müssten sie besser performen, um die gleiche Rendite einzufahren. Und das tun sie nicht!

Fazit

Diese 18 verhängnisvollen Anlegerfehler sind leicht zu umgehen. Die meisten Privatanleger machen sie aber trotzdem – aus Unwissenheit.

Du bist aber jetzt den anderen Privatanlegern voraus.

Wenn du diese 18 Fehler nicht machst, gehörst du zu den Top 20% der Privatanleger.

Welche Anlegerfehler hast du gemacht?

Schreibe sie in die Kommentare!

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Über den Autor:

philipp

Philipp Amadeus Kammerer ist der Gründer von Investment Amad€. Auf seinem Investment Blog zeigt er dir mehr über verschiedene Investment Strategien.

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Veröffentlicht von

Philipp Kammerer

Philipp Kammerer ist Life Hacker, Blogger und Autor. Er ist auf der Mission, anderen Menschen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu helfen.

6 Gedanken zu „18 verhängnisvolle Anlegerfehler und wie du sie vermeidest“

  1. Im allgemeinen eine gute Liste, von dem ich vieles so als Empfehlung für Anfänger mit unterschreiben kann.

    Kleiner „Einspruch“ dann doch bzgl Branchen-ETFs, die sind nicht „zweckentfremdet“, sondern die erfüllen eben auch nur genau IHREN Zweck. Du bringst da „Methode“ und „Vehikel“ durcheinander. Das passiv-langfristige Investieren in günstige diversifizierte Index-ETFs ist nur eine der vielen Methoden, mit ETFs umzugehen. Sicher die für normale Privatanleger einfachste und am Ende auch erfolgversprechenste, aber eben bei weitem nicht die einzige. ETFs sind im Grunde nur Vehikel, um möglichst effizienten Zugang zu bestimmten Anlagesegmenten zu ermöglichen. Das können sehr breite Segmente (z.b. alle Aktien der Welt auf einmal im ACWI) oder extrem spezialisierte (irgendwo gibts sicher auch ein ETF-Produkt für nigerianische Wischmop-Unternehmen) sein. Wer eine bestimmte Marktmeinung zu einem bestimmten Marktsegment hat, kann die gern mit einem entsprechenden ETF umsetzen – Wer keine hat („ich weiß, dass ich nichts weiß“) kann eben auch einfach alle Segmente gleichzeitig abdecken. Es hat also alles seine Berechtigung… nur nicht für jeden 😉

    Ob du in einem Artikel für Einsteiger noch explizit von Private Banking und Hedgefonds abraten musst, obwohl die doch eh schon viel zu exklusiv hohe Eintrittshürden haben (so dass die meisten Leser doch eh nicht reingelassen werden können), ist vielleicht sehr optimistisch, und schmeichelt ja auch irgendwie ^^
    Aber wie gesagt, für die meisten Leute ist ihr weniges Geld ja doch eh schon nur durch den achsonetten Bank“berater“ um die Ecke schon genügend bedroht.

    Gefällt mir

    1. Hallo Chris!

      Danke für die positive Kritik!

      Natürlich kannst du mit ETFs nur einzelne Branchen abdecken. Aber Anfängern empfehle ich das nicht. Ich möchte es einfach halten. Außerdem gefällt mir der Ansatz, die ganze Welt im Depot zu halten, sehr gut.

      Zum Private Banking haben nur sehr reiche Menschen Zugang. Aber es gibt auch Reiche, die keinen Plan von der Börse haben.

      MFG Philipp

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  2. Hallo Philipp,

    schöne Zusammenstellung. Du hast den Kommer ja förmlich aufgesaugt 🙂

    “Gute Unternehmen sind im Allgemeinen schlechte Aktien und schlechte Unternehmen im Allgemeinen gute Aktien.” – William Bernstein

    Das sehe ich etwas anders. In den Kurs einer Aktie sind alle öffentlich zugänglichen Informationen eingepreist. Netflix ist genauso fair bewertet wie Nestle. Es gibt also keine „guten“ oder „schlechten“ Aktien. Ein Affe ist bei der Aktienwahl vermutlich ähnlich erfolgreich wie ich, da unser Erfolg vom Zufall abhängt.

    Liebe Grüße
    Christoph

    Gefällt mir

    1. Hallo Christoph!

      Danke! Der Kommer hat meine Weltanschauung wirklich verändert.

      Darüber lässt sich streiten, da Aktienpreise kurzfristig vom Angebot und der Nachfrage abhängen. Und die Nachfrage ist oft nicht rational.

      MFG Philipp

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