So investieren Blogger #8: Florian von Börseneinmaleins

In der 8. Folge von So investieren Blogger ist Florian Müller bei mir zu Gast.

Florians Blog www.boerseneinmaleins.de startete im April 2015. Seine Passion, welche er bei Prof. Otte entdeckte, ist das Schreiben.

Er konnte während seiner Arbeit bei diesem renommierten Finanzprofessor auch schon als Ghostwriter für ein Werk von ihm agieren. Dadurch kam letztendlich der Entschluss, einen eigenen Blog aufzubauen.

Florian, wie wird man erfolgreich an der Börse?

Lieber Philipp, eine sehr gute Frage – die man nicht pauschal beantworten kann. Es spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. In meinem Buch „Vorsorgemodell 4.0 – Das ZARAS Prinzip für eine erfolgreiche Geldanalage“, habe ich die Eckpfeiler einer erfolgreichen Strategie aufgestellt. Das Akronym ZARAS steht für folgende Begriff: Zeit, Ausdauer, Rationalität, Aktien und Sparen. Hierbei gehe ich detailliert auf die einzelnen Komponenten ein und zeige, was eine Vielzahl an Börsenneulingen grundsätzlich falsch macht und wie man sich auch mit kleinen monatlichen Sparbeträgen ein Vermögen ganz einfach aufbauen kann. Da ich aus meiner praktischen Arbeit im Portfoliomanagement hunderte von Depots vermögender Kunden gesehen habe, konnte ich die häufigsten Fehler ausfindig machen und eine gewisse Parallelität der Depotstrukturierung erkennen.

Wann hast du das erste Mal am Aktienmarkt investiert?

Ich habe schon mit 18 oder 19 Jahren angefangen, verschiedene Fonds zu besparen. Diese habe ich mit monatlich anfänglich 25€ während meiner Studentenzeit weiter gefüttert. Als ich 2008/2009 den Aktiencrash live miterlebte, unter anderem war ich zu dieser Zeit in Köln beim Institut für Vermögensentwicklung beschäftigt und hatte direkten Einblick in das Fondsmanagement, bekam ich selbst kalte Füße und verkaufte meine kompletten Fonds fast am Tiefpunkt. Hierbei realisierte ich einen großen Verlust. Das Geld aus dem Verkauf der Fonds steckte ich aber sofort wieder in Einzeltitel. Ich hatte eine Allianz bei 57€ gekauft und eine AXA bei knapp unter 9€. Zudem holte ich mir spekulativ einen griechischen Wettanbieter namens OPAP ins Depot. Ich hatte nach 3 Jahren satte Gewinne, die ich realisierte und mit den Altverlusten verrechnen ließ. Einer meiner Fehler war, dass ich eigentlich nur verkauft habe, da ich mit den Titeln über 100% im Plus lag und mir gedacht habe, so kann es nicht weitergehen. Ein häufiger Fehler, den Privatanleger machen – Gewinne einfach nicht laufen lassen. Mittlerweile fahre ich eine recht einfache Strategie mit ETFs und einem global diversifiziertem Portfolio.

Wie hat sich deine Sicht geändert?

Da ich beruflich täglich den Aktienmarkt verfolge, könnte ich zu dieser Frage viel erzählen. Besonders fiel mir in letzter Zeit auf, ist, dass manche Medien speziell in Deutschland sehr reißerisch kommunizieren. Das hat den Effekt, dass einzelne Hiobsbotschaften in Sachen Wirtschaft allgemein und Unternehmensnachrichten im Speziellen kurzzeitig die genannten Aktien heftig ins Schwanken bringt. Ich erwähne beispielsweise für das Jahr 2015 nur den dramatischen Absturz von VW oder Linde. Dass bei so schwergewichtigen Einzeltitel eine Kurskorrektur von deutlich mehr als 10% an einem Tag vorkommt, konnte ich nicht glauben. Eine gewisse Irrationalität scheint damit einherzugehen. Zudem sind die Märkte heutzutage sehr manipulativ gesteuert und hängen derzeit an Indikatoren wie dem Ölpreis oder der FED sowie der EZB. Zudem verstärken automatische Stopp Loss Marken und Algorithmen eine Bewegung des Marktes erheblich stärker als früher. Ich nenne hier nur den Marktverlust des DAX am schwarzen Montag des 24.08.2015 von kurzzeitig knapp 800 Punkten. Dieser ist rational nicht erklärbar. Unruheherde gibt es zu jeder Börsenzeit. Nach der Finanzkrise war anschließend das Thema Griechenland und das Zerbrechen der Euro Zone im medialen Fokus. Dann kam der Konflikt Russland/Ukraine, und derzeit sind China und der niedrige Ölpreis sowie der Leitzins Themen der Medien. Es gibt immer wieder neue Themen, die „en vogue“ werden.

Welche Strategien funktionieren am Aktienmarkt?

Nach meinen beruflichen und privaten Erfahrungen an der Börse seit nunmehr knapp 15 Jahren, verfolge ich eine recht simple und höchst effektive Methode. Ich bespare ganz stoisch monatlich ETFs. In der Theorie mag dies recht langweilig klingen. In der Praxis vermeide ich damit Fehler wie den Aktionismus. Dies bedeutet, dass sich viele Privatanleger von Emotionen leiten lassen und auch ständig gewillt ist, Transaktionen zu tätigen – also Aktie verkaufen oder kaufen. Eine feste Strategie über Jahrzehnte zu fahren und stur daran festzuhalten, gelingt wohl den wenigsten Privatanlegern.

Wieso glaube ich an so eine simple Strategie? Ganz einfach. Neulich las ich über einen der erfolgreichsten Fonds in Amerika. Er hatte solide Aktientitel gekauft und danach keinerlei Transaktionen mehr getätigt. Diese Beharrlichkeit und der Verzicht auf Aktionismus führte letztendlich zum Erfolg. Dabei verstrichen jedoch Dekaden. Mein ehemaliger Chef bei einer unabhängigen Vermögensverwaltung formulierte es immer so „Der ertragsärmste Bankkunde mit einem Depot ist wohl einer der erfolgreichsten Anleger“. Sprich, derjenige mit den wenigsten Transaktionen und einer klaren soliden Strategie erzielt meistens die höchste Rendite, ist jedoch für die Bank nicht ertragreich. Wieso? Weil erst durch ständige Transaktionen die Bank Geld an Ihnen verdient. Deshalb ist für mich die passive Strategie, verbunden mit der sturen monatlichen Investition in ETFs, die Beste.

Wie wichtig sind Dir Dividendeneinnahmen?

Dividenden sind natürlich ein Schmankerl obendrauf. In der heutigen Zeit, in der es mit einer Nullzinspolitik und keinerlei großartigen Renditen für Tagesgeld, Festgeld geschweige denn für das Sparbuch gibt, ist eine Dividende als zusätzliche Komponente in einem ausgewogenen Depot natürlich Gold wert. Was mir an meiner Strategie gefällt: ich erhalte bei den meisten ETFs quartalsweise Ausschüttungen, die aus Dividenden generiert werden. Somit partizipiere ich mit meiner Strategie an den Dividendenauszahlungen der Konzerne. Alleine dieses Jahr werden die Dax Konzerne über 30 Milliarden € an Dividende an Ihre Aktionäre auszahlen. Ein Rekord!

Was soll ein Anfänger beim Investieren beachten?

Ein Börsenneuling sollte sich gezielt erst mal ein fiktives Musterdepot anlegen, um ein Gefühl für die Börse und deren Schwankungen bekommen. Es gibt etliche Leute, welche emotional an der Börse agieren. Dies kann fatale Folgen haben, wenn man sich später mit richtigem Geld an die Börse wagt. Jeder tickt anders und hat verschiedene Schmerzgrenzen. Dessen sollte man sich vorher bewusst sein. Auch sollte man sich gezielt die Frage stellen, ob man es auch schafft, mal kurzzeitig deutlich im Minus zu stehen und diese Durststrecke auszuhalten. Viele Privatanleger scheitern an diesem Punkt und kehren dann frustriert der Börse den Rücken. Siehe die New Economy Blase Anfang der Jahrtausendwende oder der Fall Telekom. Die Risikoaffinität spielt dabei auch eine große Rolle. Es gibt unterschiedliche Typen von Privatanlegern. Sie sollten sich klar werden, ob Sie für die Börse überhaupt geeignet sind und auch in Phasen fallender Märkte ruhig schlafen können. Fazit: Jeder sollte sich ein Gespür dafür verschaffen, wie die Börse überhaupt funktioniert. Und sich eine klare Strategie festlegen, in der man sich wohlfühlt und an der man auch über Jahre oder sogar Dekaden festhalten kann. Ansonsten wird es wie im Casino laufen.

Wie würdest du 10.000 Euro anlegen?

Gezielt und gleichmäßig aufgeteilt in verschiedene ETFs mit einem globalen Ansatz. Vielleicht nicht den kompletten Betrag auf einmal, sondern jeweils in 2 Tranchen innerhalb eines angemessen zeitlichen Korridors.

Was bedeutet für dich der Begriff „Finanzielle Freiheit“? Und kann jeder die „Finanzielle Freiheit“ erreichen?

Für mich würde finanzielle Freiheit nicht mehr bedeuten als mein jetziger Zustand. Mir macht meine Arbeit Spaß, von daher ist dies ein positiver Nebeneffekt, der sich vielleicht irgendwann mal ergeben sollte. Finanzielle Freiheit ist ja ein sehr weitreichender Begriff. Dadurch, dass ich mit einigen Persönlichkeiten befreundet bin, wie beispielsweise Gerald Hörhan (er ist finanziell frei mit Anfang 40), hat sich mein Tagesverlauf nicht sonderlich geändert. Wenn ich von meinen passiven Einnahmen leben könnte, sie sozusagen meine monatlichen Fixkosten abdeckten, würde ich mehr in Freizeit investieren und einige Länder und Kulturen bereisen. Statussymbole brauche ich nicht, weil ich mich dem allgemeinen Konsumgebaren der heutigen Gesellschaft größtenteils entzogen habe.

Ich denke, es ist nicht so wichtig, finanziell frei zu sein, sondern vielmehr seiner Profession im Leben nachzugehen. Das schafft Lebensqualität. Wenn man dem nachgehen kann, was einem liegt und Spaß macht, kommt der Erfolg, auch womöglich in der monetären Form.

Ich denke, wenn man eine eiserne Spardisziplin schon in jungen Jahren hat, sich dem Mainstream der Medien entzieht und über Jahrzehnte an der Börse sein Geld anlegt, kann man ein großes Vermögen anhäufen. Ob es reicht, finanziell unabhängig zu sein, ist meines Erachtens nicht das primäre Ziel, das im Vordergrund stehen sollte. Aber Geld beruhigt. Wie sagte schon Goethe: „Am Ende ist das Geld doch das Zeichen aller Notwendigkeiten und Bequemlichkeiten des Lebens“

Ist die Börse zum Casino geworden?

Es gibt mittlerweile unzählige Finanzprodukte zum Zocken. Zertifikate in reiner Form, mit Barrieren, Turbo, Bonus und und und..

Die Gier ist immer vorhanden und das schnelle Geld reizt natürlich. Aber neben dem erfolgreichen Trader, der dann Nachahmer in den Bann zieht, gehen von 100 Leuten vermutlich 90 komplett leer aus. Der eine aber hochgejubelt und für das Marketing eingesetzt – am Ende verdienen hauptsächlich die Banken. Bitte nicht von reißerischer Werbung blenden lassen. Natürlich ist der Reiz da, doch die Geschichte hat gezeigt, dass die erfolgreichsten Anleger die Langfristanleger sind und nicht die Zocker. Mit einer soliden Strategie kann man beruhigt schlafen und muss sich nicht tagtäglich von Kurschwankungen anstecken lassen, worunter auch das Gemüt extrem leidet.

Wie viele Artikeln wurden bisher auf deinem Finanz-Blog veröffentlicht?

Ich habe seit April 2015 über 40 Kolumnen geschrieben. Im Dezember 2015 kam zusätzlich mein Buch Vorsorgemodell 4.0 – Das ZARAS Prinzip für eine erfolgreiche Geldanlage  heraus, welches man über die Plattform Amazon als Kindleversion oder als Printversion für schmales Geld bestellen kann.

Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Finanz-Blog zu gründen?

Es war schon immer mein Wunsch nur hatte ich anfänglich von der technischen Seite ein wenig Angst. Aber mit WordPress und ein wenig Hilfe ging das alles doch relativ problemlos. Das Schreiben liegt mir und ich möchte mein Wissen, welches ich durch jahrelange private und berufliche Praxis erworben habe, gerne Anfängern und Neulingen an der Börse weitergeben.

Welche Vorteile bringt dein Blog gegenüber anderen Finanz-Websites?

Ich habe kein Interessenskonflikt. Sprich ich schreibe was ich denke und was ich für richtig erachte. Niemand schreibt mir vor, auf welche Meinung es hinausläuft. Diese Unabhängigkeit der Berichterstattung ist heutzutage fast nicht mehr gegeben in der deutschen Medienlandschaft, weil viele Finanzwebseiten eine bestimmte Intention oder Ausrichtung haben. Ich kann ganz frei schreiben, was mir auf dem Herzen liegt. Durch meinen Job als Portfoliomanager bekomme ich direkten Einblick in das, was dem Kunden derzeit auf dem Herzen liegt oder welche Sehnsüchte und Ängste ihn gerade belasten. Daraus kann sich ad hoc eine Fragestellung für einen neuen Beitrag ergeben. Dies kann kein Finanzredakteur. Das ist mein großer Vorteil. Ich sitze an der Quelle der Realität.

Was ist dein größtes Anliegen, das du deinen Bloglesern mit auf den Weg geben möchtest?

Sei beharrlich und halte an einer einfachen ETF Strategie fest. Die Zeit und der Zinseszins entfalten sich erst im Laufe der Jahre. Durch die immer schnelllebiger werdende Zeit wird es immer schwieriger, an langfristigen Werten und Normen festzuhalten. Dies lohnt sich aber auf Dauer und man wird dann fürstlich entlohnt. Die Altersvorsorge muss neu überdacht werden. Diese Vorsorge beruht auf einer Strategie und der psychologischen Komponente. Es gilt, dieser zu vertrauen und über einen längeren Horizont treu zu bleiben. Ich habe dafür das ZARAS Modell entwickelt. Die Buchstaben stehen für Zeit, Ausdauer, Rationalität, Aktien und Sparen. Hierbei lernt man die Grundregeln und Verhaltensweisen, welche an der Börse unbedingt notwendig sind, um erfolgreich agieren zu können. Wenn man diese Methode stur befolgt und seinen Fokus neu justiert, kann man entspannt in die Zukunft blicken und muss sich wenig Sorgen um seine finanziellen Lebensabend machen. Detaillierte Erläuterungen zum ZARAS Prinzip finden sich in meinem neu erschienenen Buch Vorsorgemodell 4.0 – Das ZARAS Prinzip für eine erfolgreiche Geldanlage, das die Grundlagen eines kostengünstigen und einfachen Vermögensaufbaus mit ETFs liefert.

Hast du weitere Fragen an Florian?

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Zum Autor

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Florian Müller ist Blogger und Finanzautor. Derzeit arbeitet Müller bei einer unabhängigen Vermögensverwaltung in Frankfurt am Main und betreut dort wohlhabende Kunden. Nebenbei betreibt er seinen eigenen Blog www.boerseneinmaleins.de

Veröffentlicht von

Philipp Kammerer

Philipp Kammerer ist Life Hacker, Blogger und Autor. Er ist auf der Mission, anderen Menschen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu helfen.

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