Die 20 Gebote für rationale Anleger

Gott erschuf die Bibel. Und gab uns 10 Regeln – die 10 Gebote.

Jede Religion hat ihre eigenen Regeln.

Auch jeder Staat hat seine Regeln – die Gesetze.

Und jede Sportart: Die Spielregeln.

Für alles im Leben gibt es bestimmte Regeln. Wenn wir uns nicht daran halten, müssen wir mit den Konsequenzen leben.

Und so ist es auch beim Investieren. Kommer schreibt in seinem Buch von den 20 Geboten der rationalen Anleger. Und ich gebe dir sie in diesem Artikel weiter.

Verstößt du gegen sie, musst du mit den finanziellen Konsequenzen leben.

  1. Baue zuerst deine Schulden ab!

Sich mit Schulden ein Vermögen aufzubauen, ist unmöglich. Das ist so als würdest du mit einem gebrochenen Bein für einen Sportwettbewerb trainieren.

Das Bein muss erst heilen bevor du den Wettbewerb gewinnen kannst. Und so ist es auch mit deinen Schulden.

Wenn du Schulden hast, ist das beste Investment, diese abzubezahlen.

Denn du zahlst für deine Schulden Zinsen. Der Zinseszins-Effekt arbeitet gegen dich. Das musst du ändern.

Zahle deine Schulden ab!

Eine Ausnahme ist ein Investment-Kredit. Dann kannst du die Zinsen von den Steuern abschreiben.

Ich rede von einem Konsumkredit.

Mehr über das Zurückzahlen von Schulden findest du hier.

2. Habe realistische Erwartungen!

Dein Vermögensberater verspricht dir eine jährliche Rendite von 20%. Und das bei geringstem Risiko. Wie absurd!

Eine Rendite von 20% ist zwar erreichbar. Aber dann musst du ein glückliches Händchen oder einen guten Fondsmanager haben. Beides gibt es sehr selten.

Und das Risiko ist bei einer Rendite von 20% nicht gering. Rendite entsteht durch Risiko. Auf deinem Sparkonto bekommst du auch nicht 20% Zinsen.

Die Marktrendite beträgt durchschnittlich 8-10%. Was darüber hinausgeht, hat mit Risiko, Glück und einem großen Zeitaufwand zu tun.

Habe immer realistische Erwartungen! Gier führt selten zu guten Investment-Entscheidungen. Und Gier hat auch noch niemanden reich gemacht.

Was ich über Vermögensberater denke, findest du hier.

3. Falle nicht auf die Investmentpornografie rein!

Die Kurse fallen. Die Zeitungen schreiben: „Aktien im Tiefflug. Wir werden alle sterben.“

Die Kurse steigen. Die Zeitungen schreiben: „Der DAX auf Rekordjagd. Wir werden alle reich.“

Was ist das gefährliche an Investmentpornografie?

Sie gibt eine bestimmte Meinung in eine extreme Richtung wider. Meistens lässt sich dadurch die Meinung des Marktes ableiten.

Wenn du auf die Investmentpornografie hörst, handelst du genau entgegengesetzt zu Benjamin Grahams Regel: „Buy cheap and sell dear.“

Du kaufst teuer und verkaufst billig. Du handelst also azyklisch. Also mit der Meinung des Marktes.

Du sollst aber antizyklisch handeln. Also entgegengesetzt zu der Meinung des Marktes.

Lass dich nicht von der Investmentpornografie beeinflussen. Lese sie einfach nicht!

Mehr über die Investmentpornografie findest du hier.

4. Schätze die Kosten richtig ein!

Kosten haben einen großen Einfluss auf deine Rendite. Das unterschätzen viele Privatanleger.

Ein aktiver Fonds muss einen passiven um die Kosten übertreffen. Um erst gleichgut abzuschneiden wie der passive.

Um dir das bildlich zu machen. Stelle dir folgendes Szenario vor: Du möchtest 10.000€ investieren. Und hast zwei Fonds zur Auswahl:

  • Einen aktiven.
  • Und einen passiven.

Der aktive Fonds hat laufende Kosten von 3%. Und der passive Fonds von 0,3%.

Wir nehmen eine durchschnittliche Rendite von 10% p.a. an.

Nach 10 Jahren kommt der aktive Fonds auf einen Vermögensendwert von 19.700€. Und der passive Fonds auf 25.200€. Der Unterschied beträgt 28%.

Nach 20 Jahren ist der aktive Fonds 38.700€ wert. Und der passive 63.700€. Das ist ein Unterschied von 65%.

Nach 30 Jahren schafft es der aktive Fonds auf ein Vermögen von 76.100€. Und der passive von 160.800€. Hier beträgt der Unterschied 111%.

Der Unterschied zwischen einem aktiven und einem passiven Fonds ist eine Rendite von 111% in 30 Jahren.

Mehr über die Kosten beim Investieren findest du hier.

5. Erkenne den Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite!

Warum werfen Schwellenländer-Aktien eine höhere Rendite ab als Industrieländer-Aktien?

Weil ihr Risiko höher ist.

Warum werfen Small Caps eine höhere Rendite ab als Large Caps?

Weil ihr Risiko höher ist.

Warum sind Aktien rentabler als Anleihen?

Weil ihr Risiko höher ist.

Warum sind die Zinsen auf dem Sparbuch so niedrig?

Weil das Risiko gering ist.

Rendite und Risiko sind untrennbar. Je höher das Risiko, desto höher die Rendite.

6. Ignoriere vergangenheitsbezogene Ertragszahlen!

Die Börse ist wie der Hund der Wirtschaft. Sie lauft entweder vor. Oder hinkt hinterher. Aber selten läuft sie parallel zur Wirtschaft.

Und genau deshalb sind vergangenheitsbezogene Daten unnütz.

Die Börse wird nicht durch vergangene Daten beeinflusst – sondern durch zukünftige. Und diese sehen nur die Glaskugelpropheten.

Der vergangene Gewinn ist bereits im Preis des Unternehmens eingepreist. Nicht aber der zukünftige.

Viele Investment-Strategien basieren darauf, welche Gewinne ein Unternehmen in der Zukunft machen könnte. (Die Betonung liegt auf könnte 😉 )

Sicher sind diese aber nicht. Das Unternehmen kann sich auch ganz anders entwickeln, wie erwartet.

7. Ignoriere Prognosen!

Weißt du, was morgen passiert? Kannst du in die Zukunft sehen?

Nein!

Und das können die Gaskugelpropheten a la Finanzexperten auch nicht. Und trotzdem glauben ihnen viele Privatanleger.

Sie werden selten hinterfragt. Eine rationale Begründung gibt es dafür nicht.

Woher sollen Mr. DAX und co. wissen, was an der Börse passiert? Nur weil sie einmal ein Ereignis richtig vorausgesagt haben. Und das zufällig.

Eine Studie hat ergeben: Dass ein Finanzexperte einen Kurs richtig voraussagt, entspricht tatsächlich dem Zufall.

Die Arbeit könnte auch ein Affe übernehmen.

Was schließen wir daraus?

Ignoriere die Kursprognosen der Glaskugelpropheten!

8. Habe ein Misstrauen gegen Finanzangebote!

Dein Vermögensberater möchte dir wieder einmal ein Finanzprodukt andrehen. Du hast zwar keine Ahnung davon. Weil es so komplex und intransparent ist, dass es komplexer und intransparenter nicht sein könnte.

Aber du vertraust ihm trotzdem. Immerhin ist er ein „Experte“ dafür.

Die versteckten kosten beachtest du dabei auch nicht.

Wie auch? Das Produkt ist extrem intransparent.

Diese Fehl-Investition hättest du aber ganz leicht umgehen können.

„Investiere nur in eine Aktie, deren Geschäft du verstehst.“ – Warren Buffett

Und das gilt auch für Finanzprodukte: Investiere nur in Produkte, die du verstehst!

Du kaufst dir auch keinen Computer, wenn du damit nicht umgehen kannst.

Und genau deshalb sind ETFs meine Favoriten unter den Finanzprodukten. Sie sind transparent, einfach zu verstehen und billig.

Mehr über ETFs findest du hier.

9. Nutze die Macht der Diversifikation für dich!

„Diversifikation ist das Einzige, was es an der Börse umsonst gibt.“ – Harry Markowitz

Ein konzentriertes Portfolio macht nur Sinn, wenn du Warren Bufett bist. Du bist nicht Warren Buffett?

Dann nütze die Macht der Diversifikation für dich!

Aktien bringen 3 Risiken mit sich:

  • Das Unternehmensrisiko
  • Das Marktsegmentrisiko
  • Und das Risiko des Gesamtmarktes

Und alle 3 Risiken lassen sich durch Diversifikation minimieren.

Das Unternehmensrisiko ist das Risiko eines einzelnen Unternehmens. Und lässt sich bereits mit einem ETF stark minimieren.

Das Marktsegmentrisiko ist das Risiko einer Region oder eines Landes. Und lässt sich durch mehrere ETFs minimieren.

Und das Risiko des Gesamtmarktes ist das Risiko aller Aktien. Wenn es an der Börse kracht, können auch einmal alle Kurse fallen. Es lässt sich durch das Beimischen von anderen Asset-Klassen minimieren. Zum Beispiel von Rohstoffen, Immobilien, P2P-Privatkrediten, alternativen Investments, …

Mein Ansatz ist: Habe die ganze Welt in deinem Portfolio! Dann bist du dabei, wenn sich irgendetwas gut entwickelt.

Wie du dir ein Weltportfolio aufbaust, findest du hier.

10. Betrachte das Portfolio als Ganzes!

Viele Privatanleger machen den Fehler, nur einen bestimmten Teil ihres Portfolios zu betrachten. Zum Beispiel ihr Aktien-Depot.

Das eingegangene Risiko und die Rendite lassen sich aber erst durch einen Blick auf das ganze Portfolio berechnen.

Ein 19-jähriger Student hat eine andere Risikotoleranz als ein 40-Jähriger, der gerade einen Kredit abbezahlt.

Warum ist das so?

Das Eigenheim und der Kredit sind Teil des Portfolios. Sie ändern das Risiko und die Rendite des Gesamtportfolios.

Und das Human Kapital muss auch berücksichtigt werden.

Ein 19-Jähriger wird in seinem Leben noch mehr Geld verdienen als ein 40-Jähriger. Er hat in seinem Leben noch mehr Zeit zum Arbeiten und zum Lernen. Beides sind Faktoren, die das Einkommen beeinflussen.

Bei der Einschätzung des Risikos und der Rendite musst du dein Portfolio immer als Ganzes betrachten. Auch alternative Investments, wie Münzensammlungen, Wein, Oldtimer, …

11. Behalte den Grundcharakter der Börse im Hinterkopf!

Outperformst du den Markt?

80% der aktiven Anleger werden diese Frage sicher mit „Ja“ beantworten.

Genauso, wenn du in eine Männerrunde die Frage wirfst: „Bist du überdurchschnittlich gut im Bett?“

Es können aber nur 50% aller Männer überdurchschnittlich gut im Bett sein. Und 50% sind unterdurchschnittlich gut. So ist der Durchschnitt definiert.

An der Börse ist es nicht anders. 50% outperformen den Markt. Und 50% underperformen den Markt.

Bist du dir immer noch so sicher, dass du den Markt outperformst?

12. Schätze deine eigene Risikotoleranz richtig ein!

Viele Privatanleger überschätzen ihre eigene Risikotoleranz. Und wenn es an der Börse kracht, verlieren sie ihre Nerven.

Jeder muss seine Risikotoleranz selbst bestimmen.

Aber tendenziell gilt: Je länger dein Anlagehorizont ist, desto höher ist deine Risikotoleranz.

Wenn du dein Geld über 30 Jahre anlegst, macht dir ein kurzfristiger Kursverlust nicht viel aus. Wenn du es aber in 5 Jahre wieder brauchst, dann schon.

13. Nutze Faktorprämien!

An der Börse gibt es 3 Risikoprämien, die deine Rendite erhöhen. Und dafür auch dein Risiko. Daher der Name Risikoprämien.

Und diese 3 Risikoprämien sind:

  • Value-Aktien
  • Small-Cap-Aktien
  • Schwellenländer-Aktien

Mische diese 3 Marktsegmente mit ETFs deinem Portfolio bei. Und erhöhe so deine Rendite.

Warum jeder Privatanleger in Schwellenländer investieren sollte, erfährst du „hier“.

14. Beachte die Efficient-Market-Theorie!

In einem effizienten Markt sind bereits alle Informationen eingepreist.

Wie kommt das zustande?

Durch Angebot und Nachfrage.

Die Markteilnehmer reagieren entsprechend auf neue Informationen. Mit Panikattacken. Oder mit Euphorie.

Und lassen so die Kurse in die Höhe fliegen oder in die Tiefe stürzen.

Es kommt zwar trotzdem zu Preismissbildungen. Aber ist wird immer schwieriger, den Markt konstant outzuperformen.

50% der Marktteilnehmer schlagen den Markt. Aber nicht immer die selben. Sie wechseln sich immer wieder ab. In Summe schlagen den Markt nur die wenigsten.

Für die meisten Privatanleger macht nur das passive Investieren Sinn!

15. „Probieren kostet nichts“ gilt an der Börse nicht!

Du willst trotzdem den Markt schlagen?

Gut. Aber dann wundere dich nicht, wenn dir die Kosten bei der Rendite abgehen.

Stockpicking und Markettiming kosten Geld. In Form von Transaktionskosten.

Die Buy-and-Hold-Strategie ist die billigste.

16. Springe nicht ins trübe Wasser!

Ich habe es bereits gesagt: Investiere nie in Finanzprodukte, die du nicht verstehst.

Je intransparenter, desto gefährlicher sind die Produkte.

Investiere in keine Hedgefonds, Derivate oder ähnliche Produkte.

17. Mache um die 16 Investmentprodukte, in die du nicht investieren solltest, einen großen Bogen!

Investiere nicht in diese 16 Investmentprodukte!

18. Betreibe Buy-and-Hold!

Egal ob du in Einzelaktien oder in ETFs investierst. Bei Berücksichtigung von Kosten und Steuern schlägt Buy-and-Hold die meisten Trading-Strategien.

Nicht nur in Sachen Rendite. Sondern du sparst dir auch Zeit. Zeit ist dein wichtigstes Gut.

Ich weiß, du weißt sicher mit der Zeit etwas besseres anzufangen! 😉

19. Folge den Erkenntnissen der Wissenschaft!

Nur weil dir irgendwer eine Investment-Strategie empfiehlt, muss sie noch lange nicht funktionieren.

Studien besagen, dass die meisten aktiven Strategien nicht nachhaltig den Markt schlagen. Sondern nur für einen bestimmten Zeitraum.

Daher empfehle ich dir das Indexing. Das passive Investieren mit Indexfonds.

20. Mache nichts, wenn die Kurse fallen!

Die Kurse purzeln. Am liebsten möchtest du alle Aktien verkaufen. Und nie wieder zur Börse zurückkommen. Wer kennt das nicht?

Mach  das nicht! Wenn du das machst, hast du verloren.

Dann hast du gegen dich selbst verloren. Schon Benjamin Graham wusste:

„Dein größter Feind an der Börse bist du selbst.“

Fazit

Beachte diese 20 Regeln. Und du gehörst zu den Top-Privatanlegern.

Die meisten Privatanleger missachten diese Regeln – aus Unwissenheit.

Und dann wundern sie sich, dass sie ihr Geld nicht perfekt für sich arbeiten lassen. Mache das nicht!

Du kennst jetzt die 20 Gebote für rationale Anleger. Nutze den Vorteil für dich.

Der Finanzkoch hat weitere 23 Regeln für dich.

Welche Anleger-Regeln fallen dir noch ein?

Schreibe sie in die Kommentare!

Hole dir meinen kostenlosen Kurs: In 3 Schritten zur finanziellen Freiheit!

Über den Autor:

philipp

Philipp Amadeus Kammerer ist der Gründer von Investment Amad€. Auf seinem Investment Blog zeigt er dir mehr über verschiedene Investment Strategien.

Folge ihm auf Twitter und Facebook!

Veröffentlicht von

Philipp Kammerer

Philipp Kammerer ist Life Hacker, Blogger und Autor. Er ist auf der Mission, anderen Menschen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu helfen.

4 Gedanken zu „Die 20 Gebote für rationale Anleger“

  1. Hallo Philipp,

    danke für die Erwähnung 🙂 Einen Punkt würe ich gerne noch ergänzen:

    Nummer 21: Fang einfach an.

    Nichts zu tun, ist auch eine Entscheidung und meist keine Gute.

    Herzliche Grüße
    Christoph

    Gefällt mir

  2. Hallo Philipp,
    ich muss Dir leider bei Punkt 1 ein wenig widersprechen. Ich halte es hier nach Bodo Schäfer, wonach zwar das Abzahlen von Schulden Priorität hat, aber man mit der 50/50-Regel gleichzeitig Vermögen aufbauen kann. Der Punkt NULL, also abbezahlte Schulden und kein Vermögen ist kein erstrebenswerter Zustand. Deutlich attraktiver erscheint der Punkt, die Schulden in ihrem Rahmen abzuzahlen und gleichzeitig Vermögen aufzubauen. Ich für meinen Teil baue hierzu zunehmend passive und zusätzlich aktive Einkommensströme auf, die einseits die Schulden im Rahmen von Sondertilgungen minimieren und andererseits das Vermögen analog den Tilgungen aufbauen. Am Ende freue ich mich darüber, dass die Karre abbezahlt ist und die Hälfte der Anzahlung für den Invest in 3 Jahren verzinslich auch schon auf dem Konto liegt.

    Ist sicherlich eine Frage, die man unterschiedlich beantworten kann, aber ich würde Sie so beantworten.

    Gruß
    Tobias

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s