So investieren Blogger #18: Florian von Börseneinmaleins

In der 18. Folge von „So investieren Blogger“ ist zum zweiten Mal Florian von Börseneinmaleins bei mir zu Gast.

Florian ist mittlerweile zu einen sehr guten Freund von mir geworden – und zu meinem Teilzeit-Mentor. 😀

Heute spricht er über seinen Blog und über sich selbst. Florian, freut mich dich begrüßen zu dürfen.

Worum geht es in deinem Blog?

Vielen Dank erstmal an dich, dass ich die Fragen beantworten darf. In meinem Blog www.boerseneinmaleins.de geht es um den Umgang mit Geld und dem vernünftigen Erlernen einer Strategie, die dir hilft, auch mit kleinen monatlichen Sparbeträgen langfristig ein Vermögen aufzubauen.  Hierbei bediene ich mich einfachem Grundverständnis und beleuchte das Thema Börse unter der wichtigsten Thematik der Psychologie.  Ich gehe praktisch wie eine Bedienungsanleitung für das neue Navigationsmenü eines Mercedes durch verschiedene Menüpunkte.

In meinem Buch „Vorsorgemodell 4.0 – Das ZARAS Prinzip für eine erfolgreiche Geldanalage“, habe ich die Eckpfeiler einer erfolgreichen Strategie aufgestellt. Das Akronym ZARAS steht für folgende Begriff: Zeit, Ausdauer, Rationalität, Aktien und Sparen. Hierbei gehe ich detailliert auf die einzelnen Komponenten ein und zeige, was eine Vielzahl an Börsenneulingen grundsätzlich falsch macht und wie man sich auch mit kleinen monatlichen Sparbeträgen ein Vermögen ganz einfach aufbauen kann. Da ich aus meiner praktischen Arbeit im Portfoliomanagement hunderte von Depots vermögender Kunden gesehen habe, konnte ich die häufigsten Fehler ausfindig machen und eine gewisse Parallelität der Depotstrukturierung erkennen.

Was unterscheidet deinen Blog von all den anderen Blogs über finanzielle Freiheit?

Es wird in letzter Zeit viel über das Thema finanzielle Freiheit geredet. Für mich würde finanzielle Freiheit nicht mehr bedeuten als mein jetziger Zustand. Mir macht meine Arbeit Spaß, von daher ist dies ein positiver Nebeneffekt, der sich vielleicht irgendwann mal ergeben sollte. Finanzielle Freiheit ist ja ein sehr weitreichender Begriff. Dadurch, dass ich mit einigen Persönlichkeiten befreundet bin, wie beispielsweise Gerald Hörhan (er ist finanziell frei mit Anfang 40), hat sich mein Tagesverlauf nicht sonderlich geändert. Wenn ich von meinen passiven Einnahmen leben könnte, sie sozusagen meine monatlichen Fixkosten abdeckten, würde ich mehr in Freizeit investieren und einige Länder und Kulturen bereisen. Statussymbole brauche ich nicht, weil ich mich dem allgemeinen Konsumgebaren der heutigen Gesellschaft größtenteils entzogen habe.

Ich denke, es ist nicht so wichtig, finanziell frei zu sein, sondern vielmehr seiner Profession im Leben nachzugehen. Das schafft Lebensqualität. Wenn man dem nachgehen kann, was einem liegt und Spaß macht, kommt der Erfolg, auch womöglich in der monetären Form.

In meinem Blog liefere ich das Handwerkszeug um Privatpersonen und Laien den Einstieg an die Börse zu vereinfachen. Oftmals verwende ich dann plastische Beispiele aus der Praxis, die mir immer wieder praktisches Fehlverhalten von Privatanlegern aufzeigen.

Ich denke, wenn man eine eiserne Spardisziplin schon in jungen Jahren hat, sich dem Mainstream der Medien entzieht und über Jahrzehnte an der Börse sein Geld anlegt, kann man ein großes Vermögen anhäufen. Ob es reicht, finanziell unabhängig zu sein, ist meines Erachtens nicht das primäre Ziel, das im Vordergrund stehen sollte. Aber Geld beruhigt. Wie sagte schon Goethe: „Am Ende ist das Geld doch das Zeichen aller Notwendigkeiten und Bequemlichkeiten des Lebens“

Was hast du für kurz- und langfristige Ziele für deinen Blog?

Ich möchte mehr Leser erreichen und die finanzielle Bildung weiter voranbringen. Wie bei deinem schönen Blog sind wir mittlerweile einige Blogger, die sich aus Passion mit dem Thema beschäftigen um somit möglichst viele Personen abzuholen und finanziell aufzuklären.

Was ist dein liebster Beitrag auf deinem Blog?

Eine gute Frage, die ich auf Anhieb nicht beantworten kann. Ich denke es gibt einige Interessante. Der Praxistest mit dem Vermögensberater, war zum Beispiel ein schöner Beitrag, welche ich live durchgeführt und anschließend die immensen Kosten aufgezeigt habe. Ansonsten gibt es wohl den ein oder anderen welcher gerade am Anfang des Blogaufbaus nicht so viel Beachtung geschenkt worden ist.

Was ist der Underdog unter deinen Beiträgen? (Ein Beitrag, der nicht die Aufmerksamkeit bekommen hat, die er deiner Meinung nach verdient hätte)

Da kommt mir spontan mein Beitrag zum Norwegischen Modell in den Kopf. Diesen Artikel habe ich ziemlich am Anfang meiner Bloglaufbahn geschrieben im April 2014. Dies zeigt praktisch in erfolgreicher Weise auf, wie man das Geld für die Rente vernünftig anlegt. Hier ist uns der norwegische Staat mit seinem Pensionsfonds um Meilen voraus. Daran sollte sich der deutsche Staat ein Vorbild nehmen.

Was machst du im „echten“ Leben beruflich?

Im wahren Leben bin ich Portfoliomanager bei einer unabhängigen Vermögensverwaltung in Frankfurt am Main und zudem Finanzanalyst. Hier habe ich natürlich tagtäglich den Aktienmarkt unter Beobachtung. Besonders fiel mir in letzter Zeit auf, ist, dass manche Medien speziell in Deutschland sehr reißerisch kommunizieren. Das hat den Effekt, dass einzelne Hiobsbotschaften in Sachen Wirtschaft allgemein und Unternehmensnachrichten im Speziellen kurzzeitig die genannten Aktien heftig ins Schwanken bringt. Ich erwähne beispielsweise für das Jahr 2015 nur den dramatischen Absturz von VW oder Linde. Dass bei so schwergewichtigen Einzeltiteln eine Kurskorrektur von deutlich mehr als 10% an einem Tag vorkommt, konnte ich nicht glauben. Eine gewisse Irrationalität scheint damit einherzugehen. Zudem sind die Märkte heutzutage sehr manipulativ gesteuert und hängen derzeit an Indikatoren wie dem Ölpreis oder der FED sowie der EZB. Zudem verstärken automatische Stopp Loss Marken und Algorithmen eine Bewegung des Marktes erheblich stärker als früher. Ich nenne hier nur den Marktverlust des DAX am schwarzen Montag des 24.08.2015 von kurzzeitig knapp 800 Punkten. Dieser ist rational nicht erklärbar. Unruheherde gibt es zu jeder Börsenzeit. Nach der Finanzkrise war anschließend das Thema Griechenland und das Zerbrechen der Euro Zone im medialen Fokus. Dann kam der Konflikt Russland/Ukraine, und derzeit sind China und der niedrige Ölpreis sowie der Leitzins Themen der Medien. Es gibt immer wieder neue Themen, die „en vogue“ werden

Wie stellst du dir deine finanzielle Freiheit vor und mit welchem Alter willst du sie erreicht haben?

Es gibt so viele Unwägbarkeiten im Leben oder spezielle Situationen die einen auch im Laufe des Lebens Rückschläge verpassen. Trotzdem möchte ich meine derzeitige Sparquote weiterhin beibehalten. Das Ziel finanzielle Freiheit ist für mich nicht primär wichtig, da ich im Moment recht zufrieden und glücklich bin. Sollte es irgendwann mal dazukommen ist das ein schönes Schmankerl, arbeiten werde ich trotzdem weiter, weil es unheimlich viel Spaß macht. Eventuell würde ich mehr für meine Freizeit ausgeben und auch mal längere Zeit die Welt bereisen.

Wie bist du zum Investieren gekommen?

Ich habe schon mit 18 oder 19 Jahren angefangen, verschiedene Fonds zu besparen. Diese habe ich mit monatlich anfänglich 25€ während meiner Studentenzeit weiter gefüttert. Als ich 2008/2009 den Aktiencrash live miterlebte, unter anderem war ich zu dieser Zeit in Köln beim Institut für Vermögensentwicklung beschäftigt und hatte direkten Einblick in das Fondsmanagement, bekam ich selbst kalte Füße und verkaufte meine kompletten Fonds fast am Tiefpunkt. Hierbei realisierte ich einen großen Verlust. Das Geld aus dem Verkauf der Fonds steckte ich aber sofort wieder in Einzeltitel. Ich hatte eine Allianz bei 57€ gekauft und eine AXA bei knapp unter 9€. Zudem holte ich mir spekulativ einen griechischen Wettanbieter namens OPAP ins Depot. Ich hatte nach 3 Jahren satte Gewinne, die ich realisierte und mit den Altverlusten verrechnen ließ. Einer meiner Fehler war, dass ich eigentlich nur verkauft habe, da ich mit den Titeln über 100% im Plus lag und mir gedacht habe, so kann es nicht weitergehen. Ein häufiger Fehler, den Privatanleger machen – Gewinne einfach nicht laufen lassen. Mittlerweile fahre ich eine recht einfache Strategie mit ETFs und einem global diversifiziertem Portfolio.

Was ist deine liebste, kostengünstige Freizeitbeschäftigung?

Tennis, Joggen, Lesen und selbstverständlich alte Freunde treffen ist für mich sehr wichtig. Zudem Zeit mit meiner Familie verbringen.

Wie gehst du in Gesprächen mit Leuten um, die ihr Hamsterrad nicht hinterfragen, keine finanzielle Vorsorge treffen und über ihre Verhältnisse leben?

Ich versuche Sie aufzuklären und zu ermutigen, dass man auch mit kleinen ratierlichen Sparsummen sich langfristig ein schönes Finanzpolster aufbauen kann. Zudem versuche ich Ihnen mein Buch schmackhaft zu machen, es zu lesen.

Bist du mit Geldthemen aufgewachsen? Wie hat dich die finanzielle Situation deiner Familie beim Erwachsen werden beeinflusst?

Da ich eigentlich schon mit 14 Jahren angefangen habe mir mein eigenes Geld zu verdienen, war ich in jungen Jahren relativ unabhängig. Damals war es das klassische Zeitungsaustragen und später in den Semesterferien das Arbeiten am Band bei Mercedes. Hier gab es immer gute Stundensätze und ein gutes finanzielles Polster um das nächste Semester zu bewältigen.

Trotzdem habe ich im Studium der Betriebswirtschaftslehre auch nie großartig was von finanzieller Bildung gelernt. Erst durch diverse Praktika in der Finanzwelt, konnte ich mir ein System und viel wichtiger eine Strategie entwickeln.

Was ist der ultimative finanzielle Tipp, den du in die Welt hinaustragen möchtest?

Geduld, Geduld, Geduld… Wir werden stets von übertriebenem Aktionismus geprägt. Dem zu widerstehen ist die hohe Kunst des Investierens und führt langfristig zum Erfolg an der Börse.

Wenn du nur ein Finanzbuch besitzen dürftest, welches wäre es?

Mein Eigenes ;). Spaß beiseite. Es gibt viele interessante Finanzbücher. Das letzte was ich gelesen habe ist von Rolf Dobelli „Die Kunst des klaren Denkens“ welches ich wärmsten empfehlen kann zu lesen. Dies ist zwar kein klassisches Finanzbuch, aber indirekt ein Werk, welches psychologische Hilfestellung auch beim Investieren geben sollte. Hier werden viele Fehler aufgezeigt die zu einer verschwommenen Wahrnehmung und Urteilsfähigkeit führen.

Was ist der beste Roman, den du in letzter Zeit gelesen hast?

Ich lese gerne Kriminalromane und Bücher von John Grisham und Stieg Larsson. Hierzu gibt es unzählige Bücher, die diese Autoren rausbringen, welche ich sofort verschlinge und mich immer wieder auf ein neues in den Bann ziehen.

Wenn du in Hogwarts zu Schule gegangen wärst, in welches Haus wärst du einsortiert worden?

Ich denke ich würde mich zum Haus Hufflepuff zählen. Dies spiegelt wohl am besten meinen Charakter auch wieder. Trotzdem kann ich nicht zaubern und die Kristallkugel habe ich leider auch nicht um die Börse vorherzusagen.

 

Über den Autor

12011114_1672498312994586_7157294118305824391_nFlorian Müller ist Blogger und Finanzautor. Während seines Studiums bei Prof. Dr. Max Otte am Institut für Vermögensentwicklung Köln setzte er sich intensiv mit dem „Value Investing“ auseinander und wirkte am Buch „Endlich mit Aktien Geld verdienen“ von Max Otte mit. Derzeit arbeitet Müller bei einer unabhängigen Vermögensverwaltung in Frankfurt am Main und betreut dort wohlhabende Kunden. Nebenbei betreibt er seinen eigenen Blog www.boerseneinmaleins.de.

Veröffentlicht von

Philipp Kammerer

Philipp Kammerer ist Life Hacker, Blogger und Autor. Er ist auf der Mission, anderen Menschen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu helfen.

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